Skip to content

Vergiss die Perfektion, bleib gut genug

Um bei einer Sache immer besser und besser zu werden, müssen wir andere Dinge vernachlässigen. Wer nach dem Olympiasieg im Stabhochsprung greift, kann nicht gleichzeitig eine Kariere im Kugelstoßen anstreben, von Gehirnchirurgie ganz zu schweigen. Gleichzeitig organisieren wir einen Großteil unserer Zeit und Ressourcen rund um unser Streben, bei diesem einem sehr spezifischen Aspekt unseres Lebens Perfektion zu erlangen. Wir lernen und optimieren entlang eines von uns einmal ausgewählten Entwicklungspfads, und während wir auf diesem Pfad voranschreiten, verschwinden immer mehr seiner möglichen Abzweigungen und Kreuzungen. Mit anderen Worten, wir reißen die Brücken zu alternativen Entwicklungsmöglichkeiten ab, rennen blind nach vorne. Und schon sitzen wir in der Falle!

In relativ stabilen Zeiten schafft unser Streben nach Perfektion natürlich große Dinge. Was aber passiert, wenn der Bereich, in dem ich perfekt sein will, seine gesellschaftliche Relevanz verliert? Was passiert, wenn die Technologie, die ich seit Jahren immer mehr perfektioniere, von heute auf morgen von einer gänzlich neuartigen Alternative abgelöst wird? Oder ganz allgemein gefragt, was passiert, wenn die Welt sich einfach weiterdreht und die Dinge und Prozesse, die wir immer perfekter machen wollten, auf einmal mehr schaden als nutzen? Schlagartig werden Perfektion und Erfolg von heute zur möglichen Katastrophe von morgen, und der einmal eingeschlagene Pfad führt unweigerlich in eine Sackgasse! Erreiche ich irgendeine Form von Perfektion, kann ich daher nur hoffen, dass die Welt möglichst lange stillsteht oder dass die stabile Blase, in der ich mich erfreulicherweise gerade befinde, nicht allzu schnell platzt. Doch wie lange steht heutzutage die Welt schon still?

Oft wird das Ziel Perfektion zu erlangen auch mit dem allseits bekannten Begriff „survival of the fittest“, in Zusammenhang gebracht? „Survival of the fittest“ – selten hatte ein gänzlich falsches Bild von Evolution so viel gefährliche Verwirrung hervorgebracht. Ohne jetzt zu sehr abzuschweifen, möchte ich nur kurz erwähnen, dass dieser Begriff nicht einmal von Charles Darwin stammt, sondern von einem nicht gerade sehr sympathischen Herrn namens Herbert Spencer – und der hat Evolution gänzlich missverstanden. Denn dieser angebliche Kampf darum der Fitteste zu sein, impliziert, dass man der Beste oder Stärkste sein muss, um eine Art Rennen zu gewinnen. Evolution ist aber kein Wettrennen, bei dem nur der Fitteste überlebt. Der Evolution ist der Fitteste völlig egal. Es geht nämlich nicht um zu gewinnen, es geht darum GUT GENUG im Rennen zu bleiben, und das möglichst lange.

Die besonders fitten Läufer und Läuferinnen, diejenigen, die besonders schnell laufen, sind auch meist die, die am schnellsten wieder aus dem Lauf ausscheiden. Warum? Weil sich in unserer dynamischen Welt die Strecke des Laufs ständig und unvorhersehbar verändert – und dann haben die, die besonders rasch unterwegs sind, auch die größten Probleme, die plötzlich auftauchende Kurve noch zu nehmen. Bei Evolution geht es nicht um das Überleben des „Fittesten“, sondern um das Überleben all derjenigen, die sich immer wieder von Neuem anpassen können. Oder anders gesagt, es geht um das Überleben derjenigen, die gut genug mit Veränderungen und Überraschungen umgehen können. Und die Betonung liegt hier eindeutig auf „gut genug“!

Nicht das beste Unternehmen wird langfristigen Erfolg haben, sondern das Unternehmen, dass mit Veränderungen gut genug umgehen kann. Nicht die intelligenteste Studentin wird am meisten aus dem Studium mitnehmen, sondern diejenige, die gut genug mit Misserfolgen und neuen Erkenntnissen umgehen kann. Nicht der in einer Programmiersprache beste Programmierer wird wirklich Karriere machen, sondern der, der sich gut genug an neue Technologien und Programmiersprachen anpassen kann. Gut genug! Und nicht perfekt!

Und was ist mit dem Vorwurf, „Gut genug sein“ sei nur ein Konzept für faule, antriebslose Menschen, die sich aus Bequemlichkeit damit begnügen, im Morast des gesellschaftlichen Durchschnitts steckenzubleiben? Vielleicht ist es ja das Wörtchen „genug“, das heutzutage in einer auf Maximierung und Wachstum ausgelegten Wirtschaft einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt? Auf jeden Fall hat das Prinzip „gut genug“ rein gar nichts mit Faulheit zu tun. In vielen Bereichen „gut genug“ zu sein und dabei sein Anpassungspotenzial zu erhalten, ist wahrscheinlich genauso viel Arbeit wie in einem Bereich Perfektion anzustreben. Nur ist es um einiges klüger.

Bereit, den Code zum evolutionären Erfolg zu knacken?

Melde dich zu unserem kostenlosen Webinar an und lerne, wie die 10 Erfolgsprinzipien der Evolution dir helfen, souverän durch Krisen zu navigieren.