{"id":408,"date":"2025-09-28T19:52:09","date_gmt":"2025-09-28T19:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/?p=408"},"modified":"2025-09-28T19:52:09","modified_gmt":"2025-09-28T19:52:09","slug":"vergiss-die-perfektion-bleib-gut-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/vergiss-die-perfektion-bleib-gut-genug\/","title":{"rendered":"Forget perfection, stay good enough"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Um bei einer Sache immer besser und besser zu werden, m\u00fcssen wir andere Dinge vernachl\u00e4ssigen. Wer nach dem Olympiasieg im Stabhochsprung greift, kann nicht gleichzeitig eine Kariere im Kugelsto\u00dfen anstreben, von Gehirnchirurgie ganz zu schweigen. Gleichzeitig organisieren wir einen Gro\u00dfteil unserer Zeit und Ressourcen rund um unser Streben, bei diesem einem sehr spezifischen Aspekt unseres Lebens Perfektion zu erlangen. Wir lernen und optimieren entlang eines von uns einmal ausgew\u00e4hlten Entwicklungspfads, und w\u00e4hrend wir auf diesem Pfad voranschreiten, verschwinden immer mehr seiner m\u00f6glichen Abzweigungen und Kreuzungen. Mit anderen Worten, wir rei\u00dfen die Br\u00fccken zu alternativen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten ab, rennen blind nach vorne. Und schon sitzen wir in der Falle!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In relativ stabilen Zeiten schafft unser Streben nach Perfektion nat\u00fcrlich gro\u00dfe Dinge. Was aber passiert, wenn der Bereich, in dem ich perfekt sein will, seine gesellschaftliche Relevanz verliert? Was passiert, wenn die Technologie, die ich seit Jahren immer mehr perfektioniere, von heute auf morgen von einer g\u00e4nzlich neuartigen Alternative abgel\u00f6st wird? Oder ganz allgemein gefragt, was passiert, wenn die Welt sich einfach weiterdreht und die Dinge und Prozesse, die wir immer perfekter machen wollten, auf einmal mehr schaden als nutzen? Schlagartig werden Perfektion und Erfolg von heute zur m\u00f6glichen Katastrophe von morgen, und der einmal eingeschlagene Pfad f\u00fchrt unweigerlich in eine Sackgasse! Erreiche ich irgendeine Form von Perfektion, kann ich daher nur hoffen, dass die Welt m\u00f6glichst lange stillsteht oder dass die stabile Blase, in der ich mich erfreulicherweise gerade befinde, nicht allzu schnell platzt. Doch wie lange steht heutzutage die Welt schon still?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft wird das Ziel Perfektion zu erlangen auch mit dem allseits bekannten Begriff \u201esurvival of the fittest\u201c, in Zusammenhang gebracht? \u201eSurvival of the fittest\u201c \u2013 selten hatte ein g\u00e4nzlich falsches Bild von Evolution so viel gef\u00e4hrliche Verwirrung hervorgebracht. Ohne jetzt zu sehr abzuschweifen, m\u00f6chte ich nur kurz erw\u00e4hnen, dass dieser Begriff nicht einmal von Charles Darwin stammt, sondern von einem nicht gerade sehr sympathischen Herrn namens Herbert Spencer \u2013 und der hat Evolution g\u00e4nzlich missverstanden. Denn dieser angebliche Kampf darum der Fitteste zu sein, impliziert, dass man der Beste oder St\u00e4rkste sein muss, um eine Art Rennen zu gewinnen. Evolution ist aber kein Wettrennen, bei dem nur der Fitteste \u00fcberlebt. Der Evolution ist der Fitteste v\u00f6llig egal. Es geht n\u00e4mlich nicht um zu gewinnen, es geht darum GUT GENUG im Rennen zu bleiben, und das m\u00f6glichst lange.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die besonders fitten L\u00e4ufer und L\u00e4uferinnen, diejenigen, die besonders schnell laufen, sind auch meist die, die am schnellsten wieder aus dem Lauf ausscheiden. Warum? Weil sich in unserer dynamischen Welt die Strecke des Laufs st\u00e4ndig und unvorhersehbar ver\u00e4ndert \u2013 und dann haben die, die besonders rasch unterwegs sind, auch die gr\u00f6\u00dften Probleme, die pl\u00f6tzlich auftauchende Kurve noch zu nehmen. Bei Evolution geht es nicht um das \u00dcberleben des \u201eFittesten\u201c, sondern um das \u00dcberleben all derjenigen, die sich immer wieder von Neuem anpassen k\u00f6nnen. Oder anders gesagt, es geht um das \u00dcberleben derjenigen, die gut genug mit Ver\u00e4nderungen und \u00dcberraschungen umgehen k\u00f6nnen. Und die Betonung liegt hier eindeutig auf \u201egut genug\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht das beste Unternehmen wird langfristigen Erfolg haben, sondern das Unternehmen, dass mit Ver\u00e4nderungen gut genug umgehen kann. Nicht die intelligenteste Studentin wird am meisten aus dem Studium mitnehmen, sondern diejenige, die gut genug mit Misserfolgen und neuen Erkenntnissen umgehen kann. Nicht der in einer Programmiersprache beste Programmierer wird wirklich Karriere machen, sondern der, der sich gut genug an neue Technologien und Programmiersprachen anpassen kann. Gut genug! Und nicht perfekt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was ist mit dem Vorwurf, \u201eGut genug sein\u201c sei nur ein Konzept f\u00fcr faule, antriebslose Menschen, die sich aus Bequemlichkeit damit begn\u00fcgen, im Morast des gesellschaftlichen Durchschnitts steckenzubleiben? Vielleicht ist es ja das W\u00f6rtchen \u201egenug\u201c, das heutzutage in einer auf Maximierung und Wachstum ausgelegten Wirtschaft einen bitteren Nachgeschmack hinterl\u00e4sst? Auf jeden Fall hat das Prinzip \u201egut genug\u201c rein gar nichts mit Faulheit zu tun. In vielen Bereichen \u201egut genug\u201c zu sein und dabei sein Anpassungspotenzial zu erhalten, ist wahrscheinlich genauso viel Arbeit wie in einem Bereich Perfektion anzustreben. Nur ist es um einiges kl\u00fcger.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In times of constant and unpredictable change, we must knock perfection off its pedestal, as it is extremely dangerous. On the one hand, perfection makes us sluggish and cumbersome, so that we can hardly break free from it. On the other hand, in our perfectionism we often pursue goals that may be irrelevant or even undesirable tomorrow.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":409,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-408","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=408"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":410,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions\/410"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.myevolutionist.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}